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Schloss Gödöllö Besonders Sehenswert

Das ungarische Schloss Gödöllö, auch Schloss Grassalkovich oder selten dt. Schloss Getterle genannt, liegt ca. 25 Kilometer nordöstlich der Hauptstadt Budapest in der Stadt Gödöllö. Das Schloss wurde im 18. Jh. für den Grafen Antal Grassalkovich I. errichtet und ist auch unter seinem Namen bekannt. In der zweiten Hälfte des 19. Jhs. war es die bevorzugte Residenz der österreichischen Kaiserin und ungarischen Königin Elisabeth („Sisi“).

Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde das Schloss unter der sozialistischen Regierung Ungarns stark vernachlässigt und drohte zu verfallen. Es wird seit 1996 in Abschnitten restauriert und ist seitdem für Besucher zugänglich. Das Schloss ist, gemessen an der überbauten Grundfläche, der größte Barockpalast Ungarns.

Sehenswertes:Baulichkeiten
  • Das Schloss
    • Die Schlossgebäude
      Als Baumeister des Schlosses wurde der Salzburger Architekt Andreas Mayerhoffer verpflichtet, der unter anderem auch die Budapester Universitätskirche und die Mariä Verkündigungs-Kirche in Szentendre entwarf.
    • Die Gebäude um den Ehrenhof
      Blick in den Ehrenhof, der von den drei Ursprungsflügeln des Schlosses umgeben ist. Hinter den hohen Bogenfenstern des Mittelbaus verbirgt sich auf dieser Seite das große Treppenhaus
      Zwar war das Schloss zur Erbauungszeit bereits als höfische Residenz geplant, dennoch wurde der Hauptflügel aus Sicherheitsgründen mit niedrigen Bastionen in Richtung der Stadt geschützt, die Fenster des Erdgeschosses mit Gittern versehen und die seit 1785 mit Mansarddächern verzierten Eckpavillons ursprünglich als niedrige Türme gestaltet.
      Entgegen der sonst üblichen Gliederung barocker Schlossanlagen, in denen sich ein Ehrenhof in Richtung der Stadt öffnet und der zentrale Bauflügel unmittelbar auf die Gartenanlage weist, ist dieses Prinzip in Gödöllö ins Gegenteil verkehrt. Das Corps de Logis bildet zwar auch hier den Mittelpunkt der Anlage, der Ehrenhof und die ihn umgebenden Seitenflügel weisen jedoch in den Garten hinein, während sich die Hauptfassade in Richtung der Stadt präsentiert.
      Den Hauptflügel der lediglich zweigeschossigen Anlage bildet der Mittelbau, von dem nördlich und südlich die den Ehrenhof rahmenden Seitenflügel ausgehen. Der Mittelbau wird in seinem Zentrum von einem hohen, kuppelbekrönten Risalit durchschnitten, der den zentralen Festsaal und das Haupttreppenhaus enthält. Die den Bau bekrönenden Kuppeln sind reine architektonische Dekoration, weder der östlich gelegene Festsaal, noch das nach Westen ausgerichtete Treppenhaus verfügen über ein entsprechendes Gewölbe. Die Kuppeln wiederholen sich in vereinfachter Ausführung über den Winkeln der Eckpavillons der gartenseitigen Flügel. Das Portal des Schlosses ist als Durchfahrt in den Garten ausgebildet, die Zugänge der Treppen führen von hier zu einem inneren, dem Festsaal vorgelagerten Vestibül. Aus dem Mittelbau betritt man den 1000 m² großen Ehrenhof, der von den beiden Seitenflügeln begrenzt wird. Dieses von 1735 bis 1745 errichtete, hufeisenförmige Bauensemble bildet den Ursprung des Schlosses und beinhaltete nach der Übergabe an das Königspaar 1867 die Wohnräume Franz Josephs (im nördlichen Flügel) und Elisabeths (im südlichen Flügel).
    • Die Gartenflügel
      Von den Königsflügeln des Ehrenhofs führen rechtwinklig weitere Gebäuderiegel weg, welche die Grundform des Schlosses erneut aufnehmen, in größerem Maßstab wiederholen und im Garten gewissermaßen einen zweiten Ehrenhof umschließen. Die Gebäude stammen aus der zweiten Bauphase von 1746 bis 1749. Der vom Ehrenhof nach Norden führende Trakt enthält dabei die Schlosskapelle, der südliche Trakt beherbergt den Marstall. Die Endpunkte dieser Flügel sind mit überkuppelten Pavillons akzentuiert, denen die sich gegenüberliegen langen Trakte den äußeren Hofs folgen. Diese Trakte stammen aus der Zeit der dritten Erweiterung von 1752 bis 1759. Der südliche Flügel nahm weitere Ställe, die Reitschule und das Hoftheater auf, der nördliche Flügel enthielt im Untergeschoss die erste Orangerie, die unter Antal Grassalkovich III. durch ein großes Marmorbad und in der königlichen Zeit durch Beamten- und Gästewohnungen ersetzt wurde. Bedingt durch diese Umbauten wurde eine neue Orangerie rechtwinklig an den äußeren Nordflügel angefügt und bildet dort den Endpunkt des Schlosses. Diese beiden nördlichen Trakte befinden sich bis heute im unsanierten Zustand.
    • Die Innenausstattung
      Im Obergeschoss befinden sich die repräsentativen Wohnräume und Salons des Schlosses, während das Erdgeschoss vorwiegend Wirtschafts- und Gästeräume aufnahm. Zur königlichen Zeit verfügte das Schloss über 136 Wohnräume, wovon 67 Räume für die Unterbringung der Bediensteten genutzt wurden.[10] Das Schloss wurde im 19. Jh. mit jeglichem modernen Komfort ausgestattet, 1874 erhielt es Gasbeleuchtungen, 1898 elektrisches Licht. Zusätzlich zu den Kaminen und Öfen wurde eine Heißluftheizung installiert.
      Aus der Zeit der Grassalkovichs hat sich kaum etwas an beweglicher Ausstattung erhalten. Auch die Möblierung aus der königlichen Zeit ist nicht mehr vollständig vorhanden und größtenteils durch Plünderung oder mangelnde Pflege verloren gegangen. Das Schlossmuseum hat es sich zur Aufgabe gemacht, authentische Stücke aus der königlichen Zeit zu sammeln und auszustellen und, sofern möglich, frühere Ausstattungsgegenstände für die Sammlung zurückzuerwerben.
      Die heute rekonstruierten und für Besucher zugänglichen 26 Räume des Schlossmuseums entsprechen in ihrer Farbgebung und ihrem Wandbehang weitgehend dem Zustand von 1867. Die ausgestellte Möblierung entstammt, ebenso wie die Stuckdekorationen, vorwiegend dem Rokoko und dem Neobarock. Zu den bedeutendsten Räumen des Schlosses zählen der in weiß-goldenen Tönen gestaltete, 166 m² große Rokoko-Festsaal im Mittelrisalit und das anlässlich ihres Besuches 1751 installierte „Maria-Theresia-Zimmer“, das später als Schlafzimmer Königin Elisabeths diente. Das für 100 Zuschauer konzipierte Schlosstheater ist eines der ältesten erhaltenen Theater Ungarns, wenngleich es 1867 durch den Einzug von zwei Zwischendecken zerstört und erst im Zuge einer Sanierung 1986 wieder rekonstruiert wurde. Die Hofkirche im Nordflügel des Schlosses dient heute auch als Gemeindekirche der Stadt Gödöllö.
    • Gödöllö als Vorbild seiner Zeit
      Nach der langen türkischen Herrschaft über Ungarn und der anschließenden Zeit politischer Wirrungen im Lande, war das Schloss in Gödöllö einer der ersten größeren, höfischen Profanbauten. Es wurde dadurch zum Vorbild weiterer Schlossanlagen Ungarns, die im sogenannten „Grassalkovich-Stil“ errichtet wurden. Häufig wiederkehrende Merkmale sind die zweistöckige Ausführung mit einem niedrigen Untergeschoss und einer repräsentativen Beletage im Obergeschoss, ein vorspringender, dreiachsiger Mittelrisalit mit schwungvollem Dachaufbau oder eine Ausrichtung des Hofs auf die Parkanlage. Zu den Grassalkovich-Schlössern zählen beispielsweise folgende Bauwerke:
      Am südwestlichen Stadtrand Budapests befindet sich das Schloss Nagytétény, das die Hoffassade des dreiflügeligen Hauptbaus Gödöllös nahezu exakt kopiert. Das Palais Grassalkovich in Bratislava, zur Erbauungszeit unter ungarischer Verwaltung und ebenfalls ein Werk Andreas Mayerhoffers, orientiert sich an den Bauformen Gödöllös und erscheint als eine breitere Variante des dortigen Corps de Logis, ebenso wie das Schloss in Hatvan oder das Schloss Ráday in Pécel, östlich von Budapest. Die umgekehrte Ordnung vom sich zum Garten öffnenden Ehrenhof findet sich außerdem wieder am Schloss Festetics in Keszthely.
  • Der Park
    Zum Schloss gehörten einst zwei ausgedehnte Gartenbereiche; der sich vor dem Mittelflügel erstreckende Untere Garten und der auf den Ehrenhof folgende, nach Westen gerichtete Obere Garten.
    • Der Obere Garten
      Der Westfassade des Schlosses wurde unter Antal Grassalkovich I. ein großer, französischen Vorbildern folgender Barockpark vorgelegt. Der mit geometrisch gegliederten Broderieparterres gestaltete Garten war mit zeittypischen Skulpturengruppen der griechischen Mythologie geschmückt. Er dehnte sich bis auf eine Länge von 440 Metern vor dem Schloss aus und endete an einer den Park umfassenden Mauer. Von den Pflanzungen dieses alten Barockgartens, zu denen auch ein Heckenlabyrinth gehörte, sind heute kaum noch Reste vorhanden. Zu den wenigen Relikten, die an die barocke Gestaltung erinnern, gehört eine auf den Südflügel zuführende Kastanienallee. Erhalten hat sich auch der sogenannte „Königspavillon“, ein sechseckiges Teehaus von 1760, dessen Innenwände mit Porträts ungarischer Fürsten geschmückt sind.
      Nachdem das Schloss und die Gärten in der Zeit Antal Grassalkovich II. vernachlässigt wurden, ließ Antal Grassalkovich III. auf Anregung seiner Frau Leopoldina Esterházy den Oberen Garten ab 1817 im Stil Englischer Landschaftsgärten umgestalten. Die Mauer wurde abgebrochen, der Garten erweitert und mit verschlungenen Wegen und Baumgruppen gestaltet. Dieser neue Park verwilderte in der Zeit der unsicheren Besitzverhältnisse nach dem Tode des Herzogs.
      Anlässlich der Übergabe an das ungarische Königshaus wurde die Gartenanlage ab 1867 aufgeforstet und neu gepflegt. Zu dieser Zeit wurde, gewissermaßen als Pendant zur nördlichen Orangerie, das südlich gelegene Palmenhaus errichtet. Es befindet sich heute in Privatbesitz einer ortsansässigen Gärtnerei. Die Aufenthalte der Königsfamilie in Gödöllö fanden unter einem weniger aufwendigen Zeremoniell statt, als Aufenthalte in den Wiener Schlössern. So brauchte auch der Garten weniger repräsentative Aufgaben erfüllen und konnte eher privaten Vergnügen dienen. Aus diesem Grund wurde auch eine Kegelbahn angelegt, ebenso wie ein Schießstand zum Wurfscheibenschießen. Nach dem Tode Königin Elisabeths wurde an die nordwestlichen Ausläufer des Oberen Gartens 1898 der sogenannte „Elisabethpark“ angefügt, ein waldähnlicher Parkbereich, der mit 98 verschiedenen Arten immergrüner Sträucher und Bäume bepflanzt ist und 1901 mit einem Denkmal der Königin versehen wurde. Unter Miklós Horthy wurden nur kleine Veränderungen vorgenommen, so wurde im Ehrenhof ein Springbrunnen und außerdem ein (erhaltenes) Schwimmbecken samt Badepavillon und ein Tennisplatz angelegt.
      Während des Zweiten Weltkrieges zog die Front im Dezember 1944 durch Gödöllö und die Gartenanlagen wurden verwüstet. In der Zeit der sowjetischen Besatzung und der anschließenden Nutzung des Schlosses als Altersheim wurde der Garten nicht mehr gepflegt, auf den Wiesen stattdessen Garagen errichtet und viele der alten Bäume als Brennholz gefällt.
      Seit 1994 findet eine langsame Rekonstruktion des Landschaftsgartens statt, die aber bis heute nicht abgeschlossen ist und aus finanziellen Gründen auch nur langsam vonstattengeht. Der Garten macht weiterhin einen naturbelassenen Eindruck und typische Gestaltungsmittel, wie Sichtschneisen oder Gewässer, fehlen fast völlig. Seit 1997 steht der 28 Hektar große Obere Garten unter Naturschutz.
    • Der Untere Garten
      Der Untere Garten erfüllte eher nützliche, als dekorative Zwecke. Er diente ursprünglich der Versorgung des Hofs, denn hier lagen die Küchengärten, eine Fasanerie und die Wildgehege. Unter Antal Grassalkovich III. wurde auch dieser Gartenbereich umgestaltet und vor der Hauptfassade des Schlosses zwei große Schwanenteiche angelegt, die in der königlichen Zeit wieder zugeschüttet wurden. Der Untere Garten war, im Gegensatz zum Oberen Garten, auch für die Bevölkerung weitgehend zugänglich.
      Abgesehen von den rekonstruierten und bepflanzten Bastionen vor dem Mittelflügel des Schlosses sind im Unteren Garten kaum noch sichtbare Spuren vorhanden, die auf eine geplante Gestaltung des Geländes hinweisen. Die Anpflanzungen sind verwildert und erscheinen als weitgehend natürlich gewachsene Landschaft. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde dieser Gartenbereich zudem durch die Stadt Gödöllö in Besitz genommen und partiell mit Wohnhäusern und anderen Gebäuden bebaut.



GPS-Daten:
N 47,59611° O 19,34778°
Hinweis:
Diese Stadt/Sehenswürdigkeit liegt an der Rundreise:
  • Neusiedler See – ung. Bernsteinstrasse – Plattensee – Budapest – ungarische Tiefebene weiter …

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