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Chandsta Kloster

Chandsta türkisch Porta, ist die Ruine eines mittelalterliches Klosters des georgischen Königreichs Tao-Klardschetien in der heutigen nordosttürkischen Provinz Artvin. Es wurde Ende des 8. Jhs. neben weiteren georgisch-orthodoxen Klöstern durch den Mönch Grigol Chandsteli gegründet. Anfang des 9. Jhs. entstand eine erste Steinkirche, die ein Jh. später der um 940 fertiggestellte und in Trümmern erhaltene Kreuzkuppelkirchen wich. Zur ehemaligen Klosteranlage beim hoch in den Bergen gelegenen Dorf Pirnalli gehört ferner ein Glockenturm aus dem 13./14. Jh..

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Das Kloster lag innerhalb einer etwa 38 × 51 Meter großen, in Nord-Süd-Richtung gestreckten Ummauerung. Die Ostmauer wurde im Wesentlichen durch die Reihe der großen Klostergebäude gebildet, beginnend mit der Kirche aus dem 10. Jh. im Norden, an die sich ältere Nebenräume, eine Kapelle und das Refektorium in der Südostecke anschlossen. Zum Bau der Kirche musste ein Teil des Hügels abgetragen werden. Für die Klostergebäude waren hohe Stützmauern nötig, die nicht vollständig mit Erde hinterfüllt wurden. Stattdessen baute man an mehreren Stellen tonnenüberwölbte Hohlräume ein, die als Weinkeller dienten und zugleich den Druck der aufgefüllten Erde auf die Stützmauern verringerten. Von den Nebengebäuden sind kaum noch Reste erhalten, da Bauern der Umgebung mit dem Steinmaterial Fundamente für ihre bescheidenen Bretterhäuser erstellten. Nach der Beschreibung von Marr gab es 1904 auf drei abgestuften Terrassen noch die Ruinen einiger Schulräume und sonstiger Klostergebäude. Der Glockenturm steht isoliert etwa 15 Meter von der Südwestecke der Kirche entfernt, er überlebte bis in jüngste Zeit als Lager für Heu und steht heute leer. In dessen Nähe fand Marr eine 2,6 × 1,1 Meter große Weinpresse, die nunmehr verschwunden ist. Die erhaltene Stützmauer an der Ostseite besteht aus grob behauenen und annähernd rechteckigen Steinblöcken, die zu Höhen von sechs bis acht Metern aufragen. Auf der Hälfte der 51 Meter langen Wand trägt ein 4 Meter breiter und 2,2 Meter mächtiger Strebepfeiler zur Stabilisierung bei. Einige der Steine stammen aus dem Bachbett wenig unterhalb.
  • Mönchszellen
    An die Südseite der Kirche grenzte ein dreigeschossiges Gebäude an mit drei schmalen Zellen in den beiden oberen Stockwerken. Deren Grundfläche maß 5,8 × 2,5 Meter bei einer Höhe von 2,6 Metern. Jede Mönchszelle besaß in der westlichen Schmalseite eine 1,05 Meter breite Tür und gegenüber einen Fensterschlitz. Zwischen Kirche und der ersten Zelle lag ein Gang, von dem aus ein Tunnel zu einem Raum unterhalb des südlichen Apsisnebenraums (Pastophorium) führte. Eingebaut in die dicken Wände südlich der dritten Zelle war eine Kapelle von 6,2 × 9 Metern außen. Die lichte Weite innen betrug 2,85 × 4,5 Meter für den Betraum, dem sich im Osten eine 1,5 Meter tiefe halbrunde Apsis mit einem um eine Stufe höherern Bodenniveau anschloss. Eine typische Ausstattung für solche Apsiden sind eine zentrale Fensteröffnung und seitliche Wandnischen. 1967 waren noch geringe Malereireste in der Apsis erkennbar. Die Mönchszellen und die Kapelle waren über einen 1,6 Meter breiten, auf den zentralen Innenhof gewandten Balkon entlang der Westseite miteinander verbunden. Räume unbekannter Größe und Funktion lagen im Untergeschoss. Auf der gegenüberliegenden Seite des Hofes dürften weitere Unterkünfte für die Mönche gestanden haben. Giorgi Mertschule beschreibt das Leben der Mönche als hart und nach strengen Regeln ausgerichtet. Es gab weder Feuerstellen in den Zellen, noch zündeten die Mönche nachts Kerzen an. Die einzige Ausstattung war ein einfaches Nachtlager und ein Gefäß mit Wasser.
  • Refektorium
    Das größte Gebäude beinhaltete den Speisesaal in der Südostecke des Klosters, angrenzend an die Kapelle. Zwei Türen in der Nordwand (1,7 und 1,0 Meter breit) führten in eine 17,5 × 12 Meter große Halle, die von zwei Tonnengewölben überdeckt wurde. Vier Gurtbögen, die sich zwischen der mittleren Pfeilerreihe und Pilastern an den Wänden spannten, gliederten die Decke. Die Stärke der Außenwände variierte zwischen 0,9 und 1,3 Metern. Die Wandschalen bestanden aus annähernd rechteckigen Blöcken, die in waagrechten Lagen vermauert waren. Der Füllraum in der Wandmitte war außergewöhnlich schmal und maß weniger als ein Drittel der Wandbreite. Wie Mertschule erwähnt, gab es nicht ausreichend Mörtel, um den eingefüllten Steinschutt zu festigen, weshalb die Steine teilweise nicht ausreichend miteinander verbunden waren. Drei breite Fenster in der Ostwand und drei schmälere Rundbogenfenster in der Südwand erhellten den Raum. In der Südwestecke führte wohl eine Öffnung im Boden zu einem Raum darunter, der als Weinkeller gedient haben könnte.Die Verwendung von groben und großen Steinblöcken aus dem Bachbett, die unverputzten Wände und die sonstige Verarbeitungstechnik lassen auf eine frühe Bauzeit schließen, möglicherweise noch zu Lebzeiten von Grigol Chandsteli. Mertschule zufolge baute der Klostergründer zunächst eine Holzkirche, danach jeweils eine Zelle für sich und seine Mitstreiter und schließlich ein großes Refektorium. Die Gebäudegröße entspricht etwa den Refektorien von Opiza und Otchta Eklesia (Dörtkilise), nur der Speisesaal von Oschki (Ösk Vank) war mit 31,8 × 16,4 Metern noch größer und damit vermutlich auch die Zahl der dortigen Mönche.
  • Klosterkirche
    Die alle Gebäude und die Umgebung dominierende Kirche steht auf einer bis zu sechs Meter hohen Terrasse am Hang oberhalb der anderen Gebäude. Das Bodenniveau lag etwa auf der Höhe des Gewölbeansatzes des Refektoriums. Die Bauform der Kirche folgte dem Mitte des 6. Jhs. In Georgien aufgekommenen Prinzip der Zentralbauten. Deren Grundriss in Form eines griechischen Kreuzes bildete die Grundlage des georgischen Kirchenbaus, der nach Westen häufig durch Kombination mit dem älteren basilikalen Bautyp verlängert wurde.[7] Bei der Kirche von Chandsta liegt der kreuzförmig angelegte Zentralraum, dessen Kuppeldecke von einem durchfensterten Tambour erhöht wird, innerhalb eines außen rechteckigen Grundplans. Die Gesamtlänge beträgt innen einschließlich eines Presbyteriums und der dahinter sich öffnenden halbkreisförmigen Apsis 16,85 Meter. Auf beiden Seiten grenzen an die Apsis 4,5 × 2,4 Meter große rechteckige Nebenräume (Pastophorien), die nur durch Türen mit den Querschiffen, aber nicht mit der Apsis verbunden waren.
    Der Westarm mit seinem 4,6 Meter breiten Mittelschiff und Seitenschiffen in der Fluchtlinie der Pastophorien von nur 2 Metern Breite entspricht dem Betsaal einer dreischiffigen Basilika. In dieser Übergangsform wurde das Maß einer zeitgenössischen Kreuzkuppelkirche mit dem üblichen Breitenverhältnis der drei Basilikaschiffe von 2,3 : 1 kombiniert. Die einzigen Zugänge waren jeweils eine Rundbogentür in der Nord- und Südwand im Bereich des Westarms. Ihre geringe Breite von nur 1,2 Meter lässt sich mit einem erhöhten Sicherheitsbedürfnis erklären.
    Die Kuppel wird von einem innen oktogonalen und außen zwölfeckigen Tambour überhöht, der sich auf eine quadratische Basiskonstruktion mit vier etwas spitz zulaufenden Rundbögen im Zentrum stützt. Deren Auflager sind im Osten die beiden Wandecken des Chors und im Westen zwei freistehende Pfeiler. Der Übergang aus dem Rechteck zum Kuppelkreis erfolgt wie in Yeni Rabat und Opiza über Pendentifs mit einem aufgesetzten Halbkreis aus Trompen (Scheintrompen).[8] Die zwölf Wandflächen werden durch Doppelsäulen gegliedert, die über Blendbögen miteinander verbunden sind. Die Säulen enden in stilisierten dorischen Kapitellen, die sich aus einem Abakus und einem Echinus mit halben Scheiben darunter zusammensetzen. Wie in Opiza wurde der Dachkegel in der ungewöhnlichen und eleganten Form eines Faltendachs gestaltet. Die Zickzacklinie der Traufkante sorgte für kleine Giebel über jedem der zwölf Wandflächen. Zum Bau der Kuppel verwendete man sorgfältig behauenen, feinkörnigen Sandstein, die Verarbeitung erfolgte wesentlich sorgfältiger als an jedem anderen Bereich der Kirche. Mertschule lobte dementsprechend den Architekten der Kirche, Amona, als einen „Baumeister mit großer Weisheit“.
    Pigmentspuren an den Doppelsäulen zeigen, dass diese einst violett bemalt waren. Polychrom gestaltete Außenwände sind typisch für Kirchenbauten aus der ersten Hälfte des 10. Jhs. In Tao-Klardschetien. Amona war wohl der erste Baumeister in Tao-Klardschetien, welcher der architektonischen Gestaltung durch malerische Elemente zu einer besonderen Ausdruckskraft verhalf. Das erste Reliefkreuz am Ostgiebel einer georgischen Kirche taucht an der Dreikirchenbasilika von Gurdschaani auf, in Chandsta nahm dieses Kreuz erstmals eine monumentale Größe an. Nachfolgend wurde das Reliefkreuz zu einem charakteristischen Element georgischer Kirchenfassaden; ab dem 10./11. Jh. erscheint es nicht mehr direkt über dem Apsisfenster, sondern hoch oben an der Ostwand.
  • Glockenturm
    Der zweistöckige Glockenturm im Südwesten der Kirche ist das am besten erhaltene Gebäude des Klosters. Das Untergeschoss bildet ein Quadrat von außen 4,5 Metern Seitenlänge, mit einem Zugang an der Westseite. Für dessen Bau verwendete man grob behauene, annähernd rechteckige Blöcke in sehr unterschiedlichen Größen. Der eigentliche Turm darüber besitzt 16 Wandflächen über einer kreisrunden Basis. Jede zweite Wand wird von einer 1,95 Meter hohen und 0,58 Meter breiten Rundbogenöffung durchbrochen. 16 aus glatten Steinplatten gebildete Flächen, die durch Rippen optisch voneinander getrennt sind, formen ein Pyramidendach. Die Traufkante ist leicht zickzackförmig ausgebildet und übernimmt somit kaum erkennbar die Form der Tambourkuppel.
    Die Qualität der Bauausführung entspricht derjenigen am Tambour. Zwei im altgeorgischen Alphabet Mrglowani ausgeführte Inschriften mit kantigen Buchstaben und Doppelpunkten zwischen den Wörtern sind an der Außenwand des Glockenturms erhalten. Sie wurden während der Bauzeit angebracht und führen zu dem Schluss, dass der Glockenturm wesentlich später als die Kirche datiert werden muss. Die erste Inschrift mit sechs Zeilen befindet sich an der Nordostseite. Sie nennt als Baumeister einen Abesalma und dessen Gehilfen Kamir und Kazan. Auf der zweiten, dreizeiligen Inschrift an der Westseite ist der Name Markos zu lesen, wobei dessen Funktion nicht angegeben ist. Vermutlich war Abesalma der leitende Steinmetz am Glockenturm und Markos dürfte ebenfalls eine führende Funktion bei der Bauüberwachung gehabt haben


GPS-Daten: N 41,24639° O 42,07083°
Hinweis:
Diese Stadt/Sehenswürdigkeit liegt an der Rundreise:

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